Mo

28

Mär

2011

Geocaching und Naturschutz

Geocaching im Wald

In der vergangenen Woche hatte ich Email-Kontakt mit Jörg Bertram, dem Geschäftsführer der Deutschen Wanderjugend. Unter anderem wies er mich auf die Diskussion zum Thema „Geocaching und Naturschutz“ hin.

 

Durch die zunehmende Anzahl Geocacher in Deutschland steigt das Konfliktpotenzial. Geocacher (die sich im Wald abseits der Wege bewegen) ziehen immer öfter den Unmut von Jägern, Tier- und Naturschützern, Forstverantwortlichen und Eigentümer auf sich, weshalb die Stimmen lauter werden, die Regeln bzw. Verbote für das Geocaching fordern.

 

Ich muss zugeben, dass ich mich bislang an dieser Diskussion nicht beteiligt habe, da ich es nie als ein Problem gesehen habe, wenn sich Geocacher aufmachen, die Natur und den deutschen Wald zu erkunden. Klar, mittlerweile gibt es in Deutschland über 160.000 Geocaches und das Geocaching findet immer mehr Anhänger. Aber ist das wirklich viel, wenn man bedenkt, dass die Waldfläche in Deutschland 11,1 Millionen Hektar beträgt und damit rund ein Drittel der Gesamtfläche Deutschlands ausmacht (vgl. „Vor lauter Bäumen …“ in Welt am Sonntag 27.03.2011, S. 14)? Ich glaube, der negative „Impact“ den hier das Geocaching hat, wird überschätzt.

Von den wenigen „Wettkampf-Geocachern“, die hauptsächlich darauf aus sind die Statistik der gefundenen Caches anzuführen, mal abgesehen, gehe ich davon aus, dass die meisten das Geocaching als Freizeitbeschäftigung wahr nehmen, bei der sie Natur erleben und (behutsam) erfahren können. Der Geocacher an sich ist in meinen Augen ein Naturliebhaber und weiß sehr wohl, dass man nicht den Wald umgräbt, Äste abbricht, Blumen pflückt und Müll liegen lässt. Oder etwa nicht?

Ich kann mir allerdings sehr gut vorstellen, dass es mit Interessensgruppen wie den Jägern und Eigentümern (44 Prozent des Waldes befinden sich in Privatbesitz – vgl. ich hierzu den Artikel aus Welt am Sonntag) immer wieder zu Konflikten kommt, weshalb ich die Notwendigkeit eines Austausches und einer konstruktiven Diskussion durchaus sehe. Bevor das Geocaching eingeschränkt oder gar verboten wird, sollte man hier offen aufeinander zugehen.

 

Da die Deutsche Wanderjugend Dialoge zwischen Nutzer- und Interessengruppen forcieren möchte, nimmt Jörg Bertram (als Vertreter der Naturschutzorganisation im Deutschen Wanderverband) an der Podiumsdiskussion zur Frage „Welches Verhältnis haben die Menschen zu Wald und Natur?" am 27. Mai 2011 in der Generalversammlung des Hessischer Waldbesitzerverband e.V. in Oberusel teil. Ich persönlich finde das sehr gut und bin auf die Ergebnisse der Diskussion gespannt. Es werden wohl noch Geocacher gesucht, die sich an der Diskussion beteiligen möchten (näheres findet sich in dem Link), da der DWJ ja keine Interessensvertretung der Geocacher ist.  

Ein paar Worte über die Deutsche Wanderjugend (DWJ): Die DWJ ist die outdoororientierte Jugendorganisation des Verbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e. V. (kurz: Deutscher Wanderverband). Laut eigener Aussage entwickelt die DWJ “neue kind- und jugendgerechte Formen und Methoden des Wanderns und der Bewegung, die sich an erlebnispädagogischen Erkenntnissen orientieren. Wandern in seinen vielfältigen Formen wird gepflegt, der sanfte Tourismus, das sanfte Reisen spielt eine wichtige Rolle bei der DWJ.“ Der Schutz der Natur und Umwelt ist dabei ein Schwerpunkt der Arbeit in der Wanderjugend.

Die DWJ ist Betreiber der Seiten Geocaching.de und Opencaching.de. Die DWJ wird daher oft als Interessensvertretung der Geocacher in Deutschland gesehen, was sie aber nicht ist (vgl. hierzu die Beiträge von Jörg Bertram im Geocaching-Forum auf geoclub.de).

www.wanderjugend.de 

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Schrottie (Freitag, 01 April 2011 12:04)

    Wäre diese Diskussion nicht etwas für Dich? Die A3 runter sind es doch nur um die 150 Kilometer Fahrt, die sind doch schnell geschafft. Und Leute die sich ordentlich ausdrücken können werden dort auf jeden Fall gebraucht... :-\

  • #2

    Nature (Mittwoch, 29 Juni 2011 06:03)

    Hallo !

    Ja soviel Wald.Wir sind eins der dichtbesiedeltes Länder und jeder will machen was er will ,die Kletterer , die Mountainbiker , die Reiter usw. Viele nehmen keine Rücksicht auf die NAtur bleiben nicht auf den Wegen latschen nachts durch den Wald usw.. An die NAtur denkt kaum einer und an seltenen Tieren z.b Uhu, Wanderfalken.
    Geocaching muß in Naturschutzgebieten verboten werden, übrigens in NAturschutzgebieten dürfen sowieso die Wege nicht verlassen werden.

  • #3

    Benjamin (Donnerstag, 21 Juli 2011 09:47)

    Das Wege verlassen ist ja nicht das einzige Problem, was durch Menschen in der Natur verursacht wird.

    Speziell im Bezug auf Geocaching gibt es Probleme mit den bzw. dem Verstecken von Geocaches. Häufig werden diese in mögliche Nistplätze, hohle Bäume oder Höhleneingänge gesetzt. Es gibt sogar schon Berichte von Fledermäusen, die weiterziehen, weil sie nicht mehr zu ihren Verstecken kommen oder dort gestört werden.[1]

    Ich finde schon, dass das sehr problematisch wird. Hier sehe ich nicht nur die Cache-Verstecker sondern auch die Betreiber von Geocaching-Plattformen wie geocaching.com in der Pflicht. Schließlich wird dort jeder Geocache geprüft, bevor er veröffentlicht ist. Die Prüfer sollten m. M. n. solche Aspekte in Betracht ziehen und ggf. den zuständigen Förster oder Jäger konsultieren.

    Ich selbst bin für verantwortungsbewusstes Geocachen (und Verstecken von Caches) in der Natur und besonders im Wald (macht am meisten Spaß). Allerdings muss man sich dafür die Verantwortung erst bewusst machen. Dazu gehört es auch, sich umfassend zu informieren und auch offen zu sein für nicht offensichtliche Einschränkungen (wie z.B. der hohle Baum).

    Viele Grüße
    Benjamin

    Quellen:
    [1] http://www.nabu.de/nabu/nh/hefte2005/heft3/06886.html

  • #4

    Sokrates (Samstag, 27 August 2011 23:01)

    Auch ich bin ein Teil der Netur und möchte mich schon auch in dieser bewegen können, wie ein freier Mensch dies tun sollte. Naturlich im Versuch dies im Einklang und mit Rücksicht zu tun. Ich glaube nicht das Cachen grundsätzlich ein Problem ist. Es liegt eher im Verstand von einigen begründet ob sie Respektvoll mit der Natur umgehen oder nicht. Das ist nicht das Grundsatzproblem einer Interessengruppe.
    Im übrigen ist auch zu Hinterfragen, ob moderne "Waldpflege", mit einem Harvester zum Beispiel, eine Naturfreundliche Methode ist, der Schaden der hier angerichtet wird, ist bei weitem nicht mit dem eines Supercaches zu vergleichen.

    Ich denke jeder sollte mal sein hirn nutzen und sich über sein Tun gedanken machen und sich einfach entsprechend verhalten, dann hat auch weder Pflanze, Mensch und Tier Probleme.

    Meine Meinung
    Gruß Sokrates

  • #5

    Leo (Sonntag, 18 September 2011 18:19)

    Mir scheint das Gerede, wie störend Geocaching sei, eine typisch "unsere" Angelegenheit zu sein. Lachhaft ist vor allem die Argumentation der Jäger-Lobby, doch der Naturschutz kann da auch ziemlich schnell übertreiben. Ich leb seit 11 Jahren im Ausland, beruflich bedingt. Die letzten 6 davon in Polen. Hier gibt es Wälder, die als solche noch bezeichnet werden können. Ich kenne Ecken, in denen man nicht nur Elche, Wölfe aber Wildschweine antreffen kann, sondern gar (wild lebende) Bären oder Wisente. Gerade bei den letzten hört man oft bei uns in Deutschland die Frage, was das überhaupt für ein Tier sei... Wölfe gebe es bis heute in Deutschland nicht, gäbe es nicht diese unglaublichen Wald- und Wildwiesen-Flächen in Polen. Und früher jaulten auch viele, der Wolf gehört in den Zoo oder die Märchenwelt, doch nicht wieder bei uns in der freien Natur.
    Ich sah noch nie einen Cache, der in einer Bruthölle angebracht worden wäre. Alle befanden sich in Höllen, die kein Vogel auswählt, denn dann würden sich zuallererst seine Fressfeinde freuen. Ehrlich, kann mir schwer jemanden vorstellen, der an einem Uhu-Niestplatz einen Cache anbringt. Da scheinen wohl mancher nicht zu wissen, wo Uhus niesten. Irgendwie kommt man seit einigen Jahren nicht zu Recht mit dem "Anschießen" von Uhus - durch Jäger - im Raum Hamburg, aber Geocacher seinen seien jetzt ein Riesenproblem...
    Mein Bruder arbeitet als Forstwissenschaftler seit einigen Jahren in den Regenwäldern Südamerikas. Dennoch, gemessen alleine an Wäldern die es heute noch in Polen, Litauen, der Ukraine oder gar Skandinavien gibt, gibt es bei uns nur "Stadtwaldanlagen" doch keine Wälder. Sicher, geschützte Natur-Zonen sollen Tabu bleiben, doch bitte, gerade privat und damit auch oft wirtschaftlich erschlossene Waldgebiete sind lange keine no-man-areas mehr. Wo gibt es bitte schön Wälder in Deutschland, die nicht von Menschenhand sondern von der Natur selbst angelegt wurden?
    Caches im Sinne von "verstecktem Müll", denn auch diese Argumentation hört man immer öfter, sind eher aus dem Daumen gesogene Begründung im Vergleich zu dem, was Menschen im Vorbeifahren aus den Autos werfen. Im Grünen, wohl gemerkt.
    Bin selbst früher viel geklettert (heute nicht mehr) und nie war ich an Felsen, die gesperrt oder aus anderen Gründen "nicht zugelassen" waren. Viel mehr Spaß machte es während der Ferien in eine Ecke zu fahren, wo es wirklich noch „unberührte Natur“ gab. Aus damaliger Sicht eines Kletterers und der heutigen eines Ab-und-zu-Geocachers würde ich sagen, Geocacher sind heute weit weniger ernste Bedrohung für die Natur als Kletterer. Aber die letzten sind kaum welche im Vergleich mit einem Bauer, der seine Felder „ganz normal düngt“. Ganz abgesehen vom genmanipuliertem Getreide oder der Mobiltelefonie. In Westpolen haben Imker bis heute keine Probleme mit aussterbenden Bienenvölkern. Man redet hier recht offen über die wahren Gründe dieses Aussterbens, der bei uns von Industrie-Lobbysten tot geredet wird. Die hier zitierten und der Geocaching-Community vorgeworfenen Argumente sind dünn.
    Jemand, der meint, der Mensch sollte gar nicht in den Wald gehen, müsste zuerst damit anfangen, wo alle seine Klamotten, Möbel und sonstige Sachen herkommen. (Hier hätt` ich gerade als maritimer Journalist einiges zu sagen).
    Gruß,
    Leo